Tourism directory Tourism link directory

Über Usbekistan

Angebotene Touren

Usbekistan touristische Städte


Landwirtschaft


Wenn die Landwirtschaft und die dazugehörenden Bewässerungsprozesse hier ausführlich behandelt werden, so hat das den Hintergrund, daß diese Techniken lebensnotwendig für Usbekistan sind.

Schon vor der Sovietzeiten war Usbekistan ein Land der Baumwolle. Die Bewässerungsanlagen und Felder gehörten den Großgrundbesitzern, den Beys. Der Boden Mittelasiens ist außerordentlich fruchtbar. Er enthält auch in den Wüstengebieten erhebliche Anteile von angewehtem Löß und ermöglicht bei warmem Klima mehrere Ernten im Jahr Die gute Wärmeversorgung ermöglicht den Anbau anspruchvoller Kulturpflanzen wie Baumwolle, Wein, Fruchtkulturen, im Süden sogar etwas Zuckerrohr. Ausreichende Sonneneinstrahlung ist also da, was aber fehlt, ist Wasser.

Die Bewässerung der extrem trockenen Gebiete ist weitaus komplizierter, als einfach Wasser auf die Felder zu leiten. Das schwierigste Problem, das dabei zu lösen ist, ist die Bodenversalzung. Ein Liter Grundwasser kann in Mittelasien bis zu 250 Gramm Salz enthalten. Bei oberflächennahem Grundwasserspiegel werden die gelösten Salze (Chloride, Sulfate und untergeordnet auch Nitrate) durch Kapillarwirkung in die oberen Bodenzonen getragen. Wenn das Grundwasser bis in eine Tiefe von zwei bis drei Metern unter der Erdoberfläche aufsteigt, beginnt es bei den hohen Temperaturen Mittelasiens zu verdunsten. Wenn aber das Wasser verdunstet, fallen die in ihm gelösten Salze aus. Dadurch ist die Ertragsfähigkeit des Bodes gefährdet. Manchmal, besonders in der Steppe, kann man die Salzkrusten am Boden gut sehen.

Um der Bodenversalzung zu begegnen und um versalzene Steppen- und Wüstenböden überhaupt bewässern zu können, müssen zunächst, so paradox es in der Wüste erscheint, Entwässerungsarbeiten durchgeführt werden. Durch ein Netz von Kanälen wird der Grundwasserspiegel zwei bis drei Meter unter der Geländeoberfläche gehalten und dadurch auch ein Aufsteigen der Salze verhindert. Die im Boden verbleibenden Salze werden von salzarmem Flußwasser ausgewaschen. Auf diese Weise kann der Salzgehalt im Boden so stark reduziert werden, daß er von den Kulturpflanzen verkraftet wird.

Baumwollpflanzen sind beispielsweise in ihrem anfänglichen Wachstum bei einem Salzgehalt von 0,3 Prozent im Boden lebensfähig. Steigt der Salzgehalt aber weiter an, sterben die Pflanzen ab. Deswegen muß in Usbekistan der Salzgehalt des Bodes standig kontrolliert werden. Steigt der Salzgehalt an, sind erneute Entsalzungen notwendig. Daß die Bewässerung erfolgreich war, bemerkt man, wenn man einen usbekischen Markt betritt. In dem bunten Treiben und regen Stimmengewirr ist man von der Vielzahl der angebotenen Früchte überrascht. Aprikosen, Kirschen, Weintrauben, Äpfel, Pflaumen und Birnen - sie alle werden in einer erstaunlichen Fülle von Sorten angepriesen. Auch Feigen, Quitten und Limonen gedeihen gut. Wegen ihrer Heilwirkung werden schon seit Jahrhunderten Granatäpfel sehr geschätzt, und besonders berühmt sind die aromatischen und süßen usbekischen Honigmelonen. Honigmelonen aus Samarkand waren einst besonders wertvoll, man soll sie sogar gegen Sklavinnen eingetauscht haben. Früher wurde in Mittelasien vor allem Weizen, Hirse und Gerste angebaut.

Neben der Baumwolle und dem Getreidanbau spielt auch die Seidenraupenzucht eine Rolle in der usbekischen Landwirtschaft. Überall in den bewässerten Zonen der Ebenen und der Vorgebirge trifft man in Mittelasien Maulbeerpflanzengen an. Meist sind die Bäumchen entlang der Bewässerungskanäle gepflanzt worden und stellen das erste Grün in der sonst noch trostlosen Umgebung dar. In Gebieten, in denen Wasser in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, hat man Maulbeerbäume auch auf großen Flächen angebaut. In bergigen Gegenden gedeihen sie bis in Höhen von 1300 Metern. Besonders im Ferganagebiet ist es noch üblich, daß die Bauern Seidenraupen zu Hause züchten. Die Aufzucht beginnt im April und kann bis etwa Mitte Mai betrieben werden. Man kauft in der Regel zehn bis zwölf Gramm Raupen, die sorgfältig mit mehrmals am Tage gepflückten Maulbeerblättern gefüttert werden. Bei guter Pflege haben sich die Raupen schon nach sieben bis zehn Tagen versponnen. Von einem Kokon können, zumindest theoretisch, 800 bis 1200 Meter Seidenfäden abgerollt werden.